12.05.2022

Zwischen Lötkolben und Holzresten

Holzwerkstatt der Johannesstift Diakonie Jugendhilfe als Angebot für 8- bis 20-Jährige

„Bin ich zu spät?“ Es ist genau 16 Uhr, als Jan*, 12 Jahre, in der Holzwerkstatt ankommt. Benjamin Gulden, Tischler in der Mobilen Hausmeisterei der Jugendhilfe und Kursanleiter, freut sich über seinen ersten Teilnehmer heute: „Hey, alles gut bei dir?“ Nachdem alle Neuigkeiten ausgetauscht sind – Jan hatte Kontakt zu jemandem mit Corona, deswegen war er letzte Woche nicht da – geht’s ans Werk. Sein Hund, den er bei einem der letzten Termine aus einer dünnen Holzplatte ausgesägt hat, soll noch verschönert werden. Anmalen ist aber nichts für Jan, sagt er. Deswegen kommt der Lötkolben ins Spiel.

Kursanleiter Till Tiede ist einer von vier Personen, die montags und dienstags Kinder und Jugendliche in der Holzwerkstatt der Jugendhilfe betreuen.Die Holzwerkstatt ist ein Angebot des Bereichs Kinder- und Jugendförderung der Jugendhilfe, das es seit vergangenem Herbst gibt. Sie ist aus dem Wunsch nach mehr Abwechslung für die Jüngsten während der Corona-Pandemie entstanden. In je einem Kurs montags und dienstags sind alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 8 und 20 Jahren willkommen, wobei die Obergrenze bei sechs Teilnehmer*innen pro Kurs liegt. Die Kurse werden immer von zwei Erwachsenen angeleitet. Neben Benjamin Gulden gehören auch Till Thiede, ebenfalls Tischler der Mobilen Hausmeisterei, Steffen Urban, Teammitglied einer Wohngruppe der Jugendhilfe, und der 16-jährige Schüler Ole Leisner zum Holzwerkstatt-Team.

Das Material und die Werkzeuge sind natürlich wichtiger Bestandteil der Termine. „Die Teilnehmer*innen sollen den Werkstoff Holz bei uns auf vielfältige Weise kennenlernen. Der Großteil der von uns angebotenen Materialien sind Zweitverwendungen oder Ausschüsse aus holzverarbeitenden Betrieben“, erklärt Benjamin Gulden. Inzwischen werde auch manchmal mit Ton gearbeitet, fügt er hinzu. Die Werkzeuge sind von guter Qualität. Vor jeder Benutzung gibt es eine fachgerechte Einführung. „Wir versuchen die Kinder und Jugendlichen bestmöglich zu unterstützen. Aber vor allem soll es Spaß machen.“

Die Teilnehmer*innen können eigene Ideen umsetzen oder an gemeinsamen Projekten mitarbeiten: zum Beispiel am Bau dieses Werkzeugschrankes.So lernt auch Jan den Lötkolben kennen: Erst mit Bleistift die Form der Linie zeichnen und dann mit dem Lötkolben eine Spur einbrennen. Jan hat viele Fragen, bevor er selbst Hand anlegt. Was passiert, wenn es zu heiß ist? Ist der schwarze Kasten auch heiß? Was ist ein Kurzschluss?

Die Kinder und Jugendlichen können in der Holzwerkstatt eigene Ideen umsetzen oder die Impulse der Anleiter aufgreifen. Tierfiguren oder Flugzeuge, Miniaturmöbel oder Schilder zum Beispiel. Während der Arbeit wird dies und das besprochen, der letzte Besuch in der Schwimmhalle, Matheunterricht, Corona-Tests in der Wohngruppe…

Jan hat seinem Holz-Hund inzwischen einen Namen gegeben und ihn mit Lötkolben eingebrannt. „Lumpi? Ja, das finde ich gut“, sagt Benjamin Gulden.

*Name von der Redaktion geändert

Holzwerkstatt der Jugendhilfe

Montags, 16:00 bis 18:00 Uhr (8 bis 14 Jahre), dienstags 16:00 bis 18:00 Uhr (15 bis 20 Jahre), Haus 9 A, Raum 016

Anmeldung: telefonisch 030 33609-749 oder per E-Mail stefan.gross-leisner@jsd.de

Autorin: Sarah Wessel
Fotos: Benjamin Gulden

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