13.04.2022

Jugendhilfe-Projekt „Chance auf Schule“

„Auch kleine Schritte sind bei uns ein großer Erfolg!“

„Chance auf Schule“ heißt das Projekt der Johannesstift Diakonie Jugendhilfe, das im Herbst 2021 gestartet ist. Auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstifts werden sechs Jugendliche der Klassenstufen 7 und 8 unterrichtet, die dem Tempo in Regelschulen aus unterschiedlichen Gründen nicht folgen konnten. Die Idee hatte die Spandauer Schulaufsicht, die das Projekt auch finanziert und die Jugendlichen vermittelt. 

Etwa sechs Monate lang bleiben die Jugendlichen im Projekt bevor gemeinsam überlegt wird, wie es weitergehen kann. Zum Team gehören 2 Lehrer*innen, 2 Erzieher*innen, 1 Psychologe, eine Sozialassistentin und eine Sozialarbeiterin. Individuelle Förderung wird bei „Chance auf Schule“ ganz groß geschrieben, beschreibt Daniel Domrös, Leiter des Bereichs Hilfen zur Erziehung der Jugendhilfe. „Es geht darum, Schule anders, Schule angstfrei erleben zu können.“ Die Schulpflicht und gleichzeitig das Recht auf Bildung für jedes Kind bekommen hier eine vielleicht letzte Chance. 

Vertreter*innen der Spandauer Schulaufsicht des Berliner Senates und des bezirklichen Jugendamtes besuchten die Räume und das Team im März und sprachen auch mit einigen Jugendlichen. „Bevor ich hierherkam, wurde ich an meiner Schule sehr schlimm gemobbt. Der Unterricht war viel zu schwer, ich habe nichts verstanden, es war schrecklich“, erzählt eine der Jugendlichen. Sie berichtet auch von der anfänglichen Skepsis gegenüber dem neuen Projekt. „Aber es war anders. Weniger Last auf mir, kein Mobbing, dafür sehr viele Möglichkeiten und sehr viel Spaß“. Der Unterricht findet montags bis freitags in zwei Durchgängen mit jeweils drei Schüler*innen statt. Drei der Jugendlichen sind Geflüchtete. Immer geht es um die Frage: „Was brauchst du heute?“ 

Lehrerin Mary Dimitriou begreift den Unterricht als Projekt. Während einige der Jugendlichen schreiben und lesen lernen, bereiten andere Vorträge vor. Es geht um Wochentage oder Tageszeiten, Praktisches wie Formulare ausfüllen oder Wochenpläne machen. Musik und Bewegung sowie das Üben sozialer Fertigkeiten sind meist Teil des Unterrichts. Mary Dimitriou: „Er darf auf keinen Fall monoton werden.“ Wichtig ist ihr außerdem: „Auch kleine Schritte sind bei uns ein großer Erfolg!“

Bedeutend ist es auch, einen Raum für die vielfältigen Probleme der Jugendlichen zu schaffen, wie Psychologe Lucas Holzhüter beschreibt. „Die psychologische Unterstützung ist dabei sehr wichtig, der Bedarf ist riesig. Vor allem geht es um den Aufbau von Vertrauen und eine enge und unterstützende Beziehungserfahrung. So unterstützen wir die Jugendlichen dabei, sozial-emotionale Schlüsselfertigkeiten zu erlangen.“ 

Die leitende Spandauer Schulrätin Janika Jarling skizzierte, dass Spandau als Randbezirk mit bezahlbarem Wohnraum erhöhten Bedarf an solchen Förderangeboten habe. Sie zeigte sich wie auch Jugendhilfe-Geschäftsführer Andy Lorch stolz auf „Chance auf Schule“. Wichtig sei, dass man anfange, auch wenn noch nicht alles perfekt sei, dass man kreativ bleibt, ausprobiert, wagt und durchhält, so Lorch. Schulrätin Jarling: „Ich bin sehr beeindruckt, was hier entstanden ist. Wir geben Jugendlichen eine Chance auf Schule, eine Chance auf einen Weg ins Leben.“ 

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